Nixen fischen

Roman, 2017

 

Nixen fischen. Roman.

Erschienen im Februar 2017 im Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, Tübingen.

220 Seiten, Klappenbroschur mit farbigen Vorsatzblättern, 12 x 20,5 cm, ISBN 978-3-88769-569-9

Der Klappentext:

Knut Seckig, der obszöne, zynische Besitzer vom Antiquitätengeschäft "Sammelsurium", kauft und verkauft Maritimes, Galionsfiguren, alte Seekarten, Perlmuttkämme usw. und hat eindeutige Vorlieben: Nymphchen, unglückliche Mädchen, die in seinem Laden stranden, und vor allem Nixen, Frauen mit der Eigenschaft, sich selbst unglücklich zu machen. Ines beginnt trotz seiner Unverschämtheiten bei ihm zu arbeiten, weil sie glaubt, durch ihn ihr Familiengeheimnis lösen zu können. Sie muss sich entscheiden, ob sie als eines seiner Ausstellungsstücke enden wird oder ob sie sich freischwimmen kann.
Ein überbordender, sinnlicher Roman voller Fische, Quallen, Tentakel und Kiemen in Formaldehyd. Schräg. Surreal. Kraftvoll.

Nixen fischen
Nixen fischen (2017)

konkursbuch

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Konkursbuchverlag, Frühjahr 2017
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Frank Schorneck unter culturmag.de, online seit 5. Juli 2017:

"Silke Andrea Schuemmer ist mit der Figur des Knut Seckig ein ungemein schmieriger Bösewicht gelungen, der dennoch eine unangenehme Faszination ausübt. Wer sich noch an die Szene mit dem Pferdekopf und den Aalen aus Grass' Blechtrommel erinnern mag, darf sich vorstellen, wie die Atmosphäre dieser kurzen Sequenz auf rund 200 Seiten ausgedehnt wirkt. (...) Schuemmers Prosa ist salzwassergetränkt, schier unerschöpflich scheint ihr Reservoir maritimer Motive zu sein. Die Lyrikerin Schuemmer, die jedes einzelne Wort auf sein Gewicht prüft, ist auch in ihrer Prosa zu erkennen. Da stehen sirenengleiche Verlockungen, die schillernde Erotik von Meerjungfrauen unmittelbar neben dem rätselhaft tentakeligem, schleimig-schuppigem Unbekannten auf dem Meeresgrund, das man lieber nicht aus seinem unruhigen Schlaf wecken will. Bis in die Nebenfiguren ist der Roman filigran durchkomponiert, greifen die Geschichten ineinander. (...) Magischer Realismus und beißende Satire reichen sich die mit Schwimmhäuten versehenen Hände."

CulturMag

Günter Keil im Playboy, Heft Mai 2017:

"Ein Roman wie ein gutes Fischbrötchen: nicht zu dick, delikat, maritim, zaubert ein Schmunzeln ins Gesicht. Im Mittelpunkt stehen die sympathische Studentin Ines und der skurrile Antiquitätenhändler Knut Seckig mit seinen Sex-Gespielinnen. Drumherum zappeln Fische, Quallen und Nixen. Äußerst anregend!"

Playboy, Mai 2017
Playboy, Mai 2017

Ein Auszug wurde unter dem Titel "Fische" in der Zeitschrift Am Erker Nr. 49 (Münster, Juni 2005) vorabgedruckt.

"Plotter", ein weiterer Auszug, erschien im Mai 2007 in Erostepost Nr. 35 (Salzburg).

Beide Textstellen sind für die endgültige Fassung des Romans stark verändert worden.

Am Erker 49
Am Erker 49 (2005)

Erostepost 35
Erostepost 35 (2007)

Über die Entstehung:

Der Geruch von Brathering waberte immer durch den Raum, egal, wie viel wir lüfteten.
Als ich während meines Kunstgeschichte-Studiums (1992-2002) etwa ein Jahr in dieser Kunsthandlung arbeitete und mir schon bald heimlich Notizen machte über alles, was ich merkwürdig fand, ahnte ich noch nicht, dass mich der staubige Laden, sein misogyner, zynischer Besitzer und all die Kleinigkeiten, die mir dort auffielen, so lange begleiten würden.
Selbst 1998 während meiner Zeit als Stadtschreiberin in Otterndorf, als ich mit diesem Roman anfing und durch die vielen Tage am Meer das Wasser-Motiv dazukam, war mir noch ganz unklar, was das alles eigentlich mit mir zu tun hatte.
Vor diesem Buch entstanden zahllose Skizzen, Handlungsentwürfe und Fassungen, und irgendwann wusste ich endlich, was mich an den Nixen, die Seckig um sich sammelt und deren Elend ihn so amüsiert, interessierte: die Frage, wieso einige untergehen und andere obenauf schwimmen. Wieso treibt es manche ans sichere Ufer, während andere ertrinken? Und was ist mit denen, die nicht einmal versuchen, sich freizuschwimmen? Ist es ihre Schuld, wenn sie kein Land mehr sehen? Ist unterzugehen wirklich eine Entscheidung, wie Seckig behauptet? Muss man solche vom Leben Wegtreibende retten, oder kann das nur jeder selbst tun? Oder treffen sie vielleicht sogar die bessere Wahl, und kann ein Leben unter Wasser weit weg vom Land mit seinen Gesetzen, Anforderungen und Veränderungen, tief versunken in der Kraft der Gezeiten und verlässlich mit seiner Einsamkeit und Sprachlosigkeit, nicht auch ein Weg sein? Ist es dort unten, wo Taucher nur hingelangen, wenn sie ihre Beine dafür in der Schiffsschraube opfern, ausschließlich dunkel? Oder warten in der Tiefe unbekannte Ungeheuer, die auf keiner Karte verzeichnet sind und die irgendwann mit Macht an die Oberfläche drängen und alles zerstören werden, weil man den Schwamm in den Wänden übersehen oder mit bunten Bildern zugehängt hat?

Charles Mellin: Bildnis eines Mannes (ca. 1630)
Charles Mellin: Bildnis eines Mannes, ca. 1630

Nixen fischen
Nixen fischen, 1. Exemplar

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