Amourellen

Lyrikzyklus

 

'Amourellen' ist ein Zyklus mit Liebesgedichten, die luftig und leicht sein sollen.

In sprachgebunden Nr. 2 (2006) wurden vier 'Amourellen' erstmals abgedruckt.

In Am Erker Nr. 71 (2016) erschienen zwei weitere, die dort auch online zu lesen sind.

In Mein heimliches Auge Band 31 (Tübingen, Konkursbuchverlag 2016) erschienen fünf Amourellen.

sprachgebunden Nr. 2

Am Erker 71

Mein heimliches Auge 31

Wenn du aus meinen Händen Schwalben faltest,
zieht ihr Flug die Himmel lakentief
drin gehn wir als vergessne Blinde um
Mit einem Seufzen setz ich dir mein Auge in die Stirn
und seh mich tastend gegenüber stehn
Die Luft wird knapp bei deinem Kuss
denn ein Insekt hab ich verschluckt
das flirrt und flattert mit vier Flügeln
bis zum Bersten in der Brust

 

Wenn der Schlaf als großes Feuer kommt
wenn die Augenbraue nur vom Auge träumt
und der Fuß von der Ferse
wecken mich die Schneckenfinger deiner Hand
und ziehn mich hinauf ins Geäst
Durch die Zweige leuchten unsre weißen Rücken
wie wir kopfunter von den Bäumen hängen
Für den Winter muss man sich was Neues suchen, sagst du
und ich denk, Im Schnee wird man uns wenigstens nicht sehn

 

Wenn die Gicht in die Äste fährt
und wir krumm unterm Holz gehen
schütteln wir die Lichter aus den Bäumen
und pressen sie im dicken Buch
Beim Aufstehen kämmst du
mir die Käfer vom Vorjahr aus dem Haar
und mähst von den Schultern das Gras
Die Stunden schlüpfen noch schnell unter Steine
dort warten sie warm und satt ab
Den Winter hebe ich an und seh welche blinzeln
und leg sie uns dann zum Wärmen ins Kreuz

 

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